WM 2014, Endspiel: Deutschland 1, Argentinien 0

von incineratr

Das langersehnte Happy-End

Kurz vorweg: Ich hatte das Spiel nicht aufgezeichnet, und da es aus der Mediathek schon rasch entschwunden war, komme ich erst jetzt endlich dazu die WM-Berichterstattung abzuschließen. Ja, ich weiß, das Spiel hat ohnehin jeder gesehen. Aber wer die ersten 63 Spiele kommentiert, der sollte das letzte auch noch mitnehmen, finde ich.

Die erste negative Überraschung erreichte den nervösen Zuschauer bereits vor Anpfiff: Sami Khedira würde ausfallen und durch Christoph Kramer – einem Spieler den viele Zuschauer vor dem Turnier überhaupt nicht kannten – ersetzt werden. Fairerweise sei gesagt, dass Argentinien mit Angel dí Maria ein extra-gefährlicher Angreifer fehlte, die üblichen Probleme eines Turniers eben.

Schon früh war im Spiel klar, dass sich Argentinien nicht wie die Brasilianer würde abkochen lassen. Einer leicht von Nervosität und Ausgeglichenheit geprägten Anfangsphase folgte der erste „Kracher“ des Spiels nach einer Viertelstunde, als „Final-Touri“ Christoph Kramer von Garay mit ziemlichem Wumms per Ellenbogencheck ausgeknockt wurde und nach einer halben Stunde für Schürrle vom Platz genommen wurde. Sah ziemlich dirty aus, aber ich kann verstehen warum die Schiris in der Phase eher auf „unabsichtlich“ anstatt auf Elfmeter und (möglicherweise) Rot entschieden.

In der 21. Minute rutschte geschätzten 35 Millionen Zuschauern das Herz aber mal gehörig in die Hose, als Toni Kroos ein Rück-Kopfball ( 😉 ) misslang und als perfekte Vorlage für Gonzalo Higuain endete. Dieser jedoch verzog völlig frei links vorbei am Tor! Pures Glück für die Jogibären. 10 Minuten später kam es (scheinbar) noch schlimmer: Lavezzi konnte von rechts ungehindert in Higuains Beine flanken, der sich die Chance diesmal nicht nehmen ließ. Das übernahm in dem Fall der Linienassi, der das Tor wegen (deutlichem) Abseits zurecht aberkannte.

Nach 36 Minuten dann endlich mal die deutschen mit einer Großchance: Müller kam auf der linken Seite durch und legte im Strafraum zum eingewechselten Schürrle ab, doch Romero konnte das Ding mit einer soliden Parade entschärfen. Bevor man sich aber langsam beruhigen konnte, brannte es nach einem Messi-Solo wieder lichterloh im deutschen Strafraum. In der Nachspielzeit dann wemste Benedikt Höwedes die Kugel mit dem Kopf wuchtig an den Pfosten – das wäre durchaus eine hammer-Überraschung gewesen. Was für ein Pech.

In der Pause wirkten, kombinert mit dem soeben gesehenen Pfostenkracher, noch die unangenehm häufigen Schrecksekunden in Halbzeit 1 nach. Das war keinesfalls eine klare Angelegenheit. Im Gegenteil, Argentinien schien im ersten Durchgang ein stückweit souveräner.

Viel besser startete die 2. Halbzeit auch nicht. Ausgerechnet Messi kam relativ frei im Strafraum zum Zuge und legte den Ball nur knapp am rechten Pfosten vorbei (’47). In der Folgezeit beruhige sich das Spiel schließlich, die Mannschaften ließen defensiv nicht mehr viel zu und, um sich einer 1A-Floskel des hochgestochenen Sportjouralismus zu bedienen, „neutralisierten sich auf hohem Niveau“ 😉 . Dies mündete nach einer Phase ohne die ganz gefährlichen Torchancen schließlich in der Verlängerung.

Deutschland erwies sich in der „Overtime“ als etwas frischer und kam in der ersten Minute zur Riesenchance durch Schürrle, der jedoch leider aus 6 Metern Romero anschoss. Fünf Minuten später lupfte Rattenschwanz-Palacio aus guter Position den Ball über Neuer hinweg am Tor vorbei. Pause.

In der 108. Minute erwischt Aguero Schweinsteiger im Gesicht, der eine Platzwunde davonträgt. „Kriegsheld“ Andi Brehme war leider nicht anwesend, also musste er an der Seitenlinie verarztet werden während sich parallel Kevin Großkreutz bereit machte – was ich absolut geil fand. „Leider“ kam dieser legendäre Wechsel doch nicht zustande und Schweinsteiger im Stile eines True Nordic Warriors of Darkness, Glory, Pain and Destruction wieder herein.

113. Minute, Fußballgeschichte: Schürrle konnte trotz Bedrängnis von links in den 16er flanken, wo Mario Götze (kurz vor Ende der regulären Spielzeit eingewechselt) mustergültig mit der Brust annahm und im Fallen mit links versenken konnte. Ein wirklich mehr als würdiger und schöner Treffer, der die Entscheidung brachte. Ausgerechnet der viel kritisierte Götze konnte von der Bank mit frischen Beinen für den genialen Moment sorgen.

Noch war aber nicht Schluss. Knapp drei Minuten in der Nachspielzeit nochmal die gute Freistoßgelegenheit für Messi, der jedoch weit drüberzog. Mit dem Schlusspfiff bekam Schweinsteiger NOCH einen auf die Glocke, dann war es ausgestanden und Deutschland zum vierten Mal Weltmeister. Nach so vielen knapp verpassten Titelgelegenheiten also endlich wieder ein Titelgewinn. Das Finale war nicht – wie beim letzten WM-Titel 1990 – zäh und hässlich, sondern von beiden Mannschaften hart umkämpft und mit einigem spielerischen Risiko verbunden. Eines der schöneren Finals der WM-Geschichte.

Jap, das war’s! Die WM 2014 also, mit ’nem halben Jahr Verspätung, auch hier Geschichte. Hat Spaß gemacht, auch wenn ich mir beim nächsten Turnier wohl nicht nochmal den Stress antun werde, komplett alle Spiele zu reviewen. Hoffe, den 3 Lesern hat es Spaß gemacht und bald geht es dann mit der Rumpelfußball-Serie weiter 🙂

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