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Reviews mehr vergangener als aktueller Spiele der DFB-Elf

Monat: Juli, 2014

WM 2014, Tag 23 (Spiel um Platz 3): Brasilien 0, Niederlande 3

Ein abschließender Tritt in Brasiliens Nüsse

Der Komplettheit halber machen wir das Spiel jetz auch noch! Der Kampf um die goldene Ananas und wieder geht’s super los für die Heimmannschaft, die vielleicht ein bisschen was gut machen wollte. Nach erneutem Hymnen-Weitersingen (trotz des 1:7) – dafür aber keinem Arm-auf-Schulter-des-Vordermanns-beim-Betreten-des-Platzes (ab jetzt „A.a.S.d.V.b.B.d.P.“) – stand’s 0:1 in der 3. Minute durch van Persie-Elfer, dem, da muss ich dem ZDF-Reporter recht geben, eine merkwürdige Schiedsrichterentscheidung vorausging. Letzter Mann foulte Robben und es gibt nur Gelb. Die Wiederholung zeigt, dass es sogar außerhalb des Strafraums war – also doppelte Fehlentscheidung? Es ist egal, da in der 17. Minute der Ball in die Mitte des Strafraums zu Daley Blind prallte, der frei annehmen und unter die Latte spielen konnte – 2:0!! Brasilien kam dann bis auf einige Käsekonter besser rein, in der 38. verpassen 3 Spieler vorm leeren Tor. In der 40. musste Kuyt GETACKERT werden – das war geil. Oldschool!

Ach naja, ich will nichts verschönern: Das Spiel plätscherte einfach zuende. Holland beschränkte seine Bemühungen deutlich, Brasilien brachte nichts mehr hin. In der Nachspielzeit gabs noch ein Tor gegen nicht mehr reagierende Brasilianer und die Messe war gelesen. 10 Tore in 2 Spielen kassiert, das lag sicher an Neymar!

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WM 2014, Tag 22 (Halbfinale): Niederlande 0, Argentinien 0 (2:4 i.E.)

Tiefpunkt im Halbfinale

Wow, war das langweilig. Hätte nicht gedacht, dass wir selbst in den oft taktisch geprägten (dafür meist mit guten Spielern gespickten) Halbfinalspielen nochmal ein Iran-Nigeria Revival zu Gesicht bekommen. Im Grunde genommen passierte in der regulären Spielzeit nahezu überhaupt nichts. Robben und Palacio hatten in der Verlängerung dicke Chancen, die Dramatik an sich hat es jedoch nicht gesteigert da beide Mannschaften aufs Verteidigen gemünzt waren. So kam es zum Elfmeterschießen, in dem Romero die Schüsse von Vlaar und Sneijder halten konnte – Gegenpart Jasper Cillessen, dessen Psyche Louis Van Gaal ja bereits im Viertelfinale erfolgreich in den Wind geschossen hat, konnte keinen abwehren (den letzten Schuss von Rodriguez ließ er unglücklicherweise durch).

Meine Fresse Van Gaal, DAS holt er nach der euphorischen Vorrunde aus dieser Mannschaft raus? Er ist einfach megastur und erheblich dafür mitverantwortlich, dass sie es nicht gepackt haben ins Finale. Was für ein merkwürdiger Trainer. Argentiniens Offensive, vorallem Messi, wirkt auch nicht ganz in Form. Hoffen wir mal das bleibt so im Endspiel gegen Deutschland! Es kann zwar im Fußball immer alles schiefgehen, aber ich glaube wir dürfen Zuversichtlich sein!

WM 2014, Tag 21 (Halbfinale): Deutschland 7, Brasilien 1

Bei FIFA auf „Amateur“ gestellt

So, ich nehme dann einfach mal an, dass das gestern wirklich passiert ist und schreibe über dieses „Spiel“. Mit der gleichen Aufstellung wie gegen Frankreich ging es die Löw-Truppe gegen die Neymar- und Silvalosen Brasilianer an, die vor dem Anpfiff wieder mal vor Pathos trieften. Mit Hand auf der Schulter des Vordermanns auf den Platz, Neymars Trikot bei der Hymne symbolträchtig dabei, wieder mal a capella die Hymne weitergebrüllt: Hat alles dann doch nichts geholfen. Brasilien begann mit einer Offensive, jedoch muss man sagen dass in den ersten 10 Minuten beide Mannschaften noch ziemlich nervös wirkten. In der elften bekam Deutschland eine Ecke, die auf Thomas Müller gezogen wurde. Er stand völlig frei („Tingeltangel-Bob“ David Luiz war eigentlich zugeordnet) und konnte flach per Direktabnahme das 1:0 erzielen. Ab diesem Zeitpunkt war es im Stadion still.

Deutschland verteidigte sehr gut, vorallem Lahm mit seinem präzisen Weltklasse-Tackling spielte sich ein wahnsinnig gutes Halbfinale zurecht. Die Spielminuten 23 bis 29 werden in die deutsche Fußballgeschichte eingehen und noch in 50 Jahren rezitiert werden: Klose holte sich erst den alleinigen WM-Torrekord mit einer kleinen Kopie von Ronaldos Tor aus dem Finale 2002, indem er seinen abgewehrten Schuss im Nachsetzen unterbringen kann. Nun war Toni Kroos dran, der mit links abzog und präzise unten links einnetzen konnte. Kurz danach markierte Kroos den Doppelpack, als er seinerseits einen abgewehrten Schuss (Khedira) im Nachhinein verwertete. Der historische Torreigen wird schließlich von Khedira in der 29. Minute zum unglaublichen 5:0 abgeschlossen. Es war absolut unglaublich: Während heulende Brasilianer auf den Tribünen gezeigt wurden, drosch die deutsche Elf Ball um Ball ins Netz. Im Videospiel wäre es nun an der Zeit gewesen, den Schwierigkeitsgrad höher zu stellen. Oder aber ob des mangelnden Realismus des Spiels selbiges entnervt abzuschalten.

In der zweiten Halbzeit ließ Deutschland verständlicherweise mehr zu, die brasilianischen Fans suchten sich unverständlicherweise Fred als Sündenbock heraus und pfiffen ihn bei jedem Ballkontakt aus – ziemlich merkwürdige Reakion. Der eingewechselte Schürrle (Mertesacker und Draxler kamen auch noch rein) machte in der 69. Minute das halbe Dutzend voll und erstaunte zehn Minuten später, als er den Ball kunstvoll unter die Latte und ins Tor brachte. 7:0, das ist ein Ergebnis aus dem Jahre 1906, nicht in einem WM-Halbfinale gegen Brasilien im Jahre 2014! Oscar markierte kurz vor Schluss noch den Ehrentreffer, props an ihn weitergespielt zu haben.

Klar, das war ein Halbfinale und der Titel ist damit nicht gewonnen. Aber egal wie das Finale ausgeht, an dieses Spiel wird man sich für immer gerne zurückerinnern. Endlich geht es für Deutschland wieder um alles – gegen Argentinien oder Holland.

WM 2014, Tag 20 (Viertelfinale) Belgien & Costa Rica ausgeschieden

Argentinien 1, Belgien 0
Im Gegensatz zu den vorherigen Auftritten nahm Argentinien die Sache selbst in die Hand und konnte direkt Druck aufbauen. Das wiederum resultierte in einem frühen 1:0 durch eine schöne Direktabnahme mit rechts von Higuain etwas außerhalb des Strafraums (7.). Belgien fand wieder ins Spiel, ihren Angriffsbemühungen folgten jedoch immer Argentinische Gegenangriffe, ein schönes hin- und her enstand. In der 32. schwächte die verletzungsbedingte Auswechslung Di Marias die Gauchos.  3 Minuten vor der Halbzeit kam Belgien zu seiner ersten guten Gelegenheit durch Mirallas per Kopf – Argentinien jedoch in der ersten Halbzeit einen Ticken besser. Während Belgien in der zweiten Hälfte zunächst zu keinen Chancen kam, verfolgten die Argentinier weiterhin recht erfolgreich ihr Konterspiel: Higuain traf in der 55. an die Latte. In der Nachspielzeit scheiterte Messi mutterseelenallein an Courtois, Belgiens Schlussoffensive war jedoch nicht präzise genug, um echte Gefahr heraufzubeschwören. Argentinien ist damit, etwas glanzlos, im Halbfinale.

Niederlande 0, Costa Rica 0 (4:3 i.E.)
Extrem langweiliges Ballgeschiebe zu Beginn. Wieso zum Teufel stellt Van Gaal seine Mannschaft (wie gegen Mexiko) so defensiv ein? Mit einer offensiveren Ausrichtung, sorry Costa Rica, aber würde man den Bananen-Boys die Hucke vollhauen. So kam es erst in der 22. zu einer guten Doppelchance von Van Persie und Sneijder. Eine weiteren ähnlichen Situation folgte ein Freistoß, der nur Knapp von Navas um den Pfosten gedreht werden konnte – klasse Parade. Die Dramatik hat bis zur 83. Minute nicht zugenommen, als Sneijder einen Freistoß aus (laut FIFA-Anzeige) 26 Metern (es war gerade nur außerhalb des Strafraumes, was ist das für eine Messung??) an den linken Pfosten hämmerte. Dem Freistoß ging wieder ein theatralischer Fall von Robben voraus – klar, es war Foul, aber dieses theatralische Fallen und direkt zum Schiri gucken, wer hasst das nicht? Pavel Nedved ist immer direkt wieder aufgestanden 😉

In der 93. nochmal die Riesenchance für Holland, als X Teixera (sp?) auf der Linie anschoss, von welchem der Ball an die Latte und raus prallte! Holland verpasste es, die Entscheidung in der Verlängerung zu erzwingen. Van Gaal wechselte 1860-Style den Ersatztorwart fürs Elfmeterschießen ein, der dann neben großem getrash-talke auch zwei Elfer hielt und Holland damit gerade so noch weiter ist. Dass sie es gegen COSTA RICA überhaupt so weit haben kommen lassen, kann von Holländern durchaus als negative Überraschung gewertet werden.

WM 2014, Tag 19 (Viertelfinale) Frankreich & Kolumbien ausgeschieden

Frankreich 0, Deutschland 1
Löw hat Aufstellungsmäßig nach tagelangen nervigen Mediendiskussionen tatsächlich was Neues ausprobiert – Lahm in die rechte Abwehrseite, Khedira parallel zu Schweinsteiger und vorne Klose – las sich erstmal ganz gut. Trotzdem war es nach 12 Minuten Mats Hummels, der wie gegen Portugal per Kopf (zum 2:0) nun gegen die Franzosen die frühe Führung markieren konnte. Im Prinzip könnte man sagen, dass die deutsche Mannschaft ab diesem Zeitpunkt kontrolliert die Uhr runtergespielt hat. Bei Spielmitte hatte man jedoch zeitweise dass Gefühl, dass die DFB-Elf zuviel zulässt. In echter „bend but don’t break“-Manier kamen die Franzosen aber nicht mehr zu brandgefährlichen Chancen und das Halbfinale war auf recht trockene Weise erreicht. In der Schlussphase konnte Andre Schürrle zwei sehr gute Konterchancen nicht verwerten, Manuel Neuer parierte kurz vor Spielende nochmal reaktionsschnell mit dem rechten Arm. Bedenkt man, dass die deutsche Mannschaft zweifelsohne noch an den Folgen der angeblich sieben Spieler umfassenden Grippewelle zu knabbern hatte, kann Löws Truppe absolut zufrieden gen Halbfinale schauen. Und jetzt ab ins Bett, auskurieren!

Brasilien 2, Kolumbien 1
Kolumbien enttäuschte nach der souveränen Vorstellung gegen Uruguay ein bisschen, der Gastgeber hingegen ging bereits in der 7. nach einer schlecht verteidigten Flanke durch Kapitän Silva, der später Gelb sah und für das Halbfinale gesperrt ist, in Führung. Brasilien zog sein übliches kämpferisches Spiel auf, während Kolumbien sich erst in die Partie hereinarbeiten musste. In der 69. Minute schien das Spiel vorbei zu sein, als David „Tingeltangel-Bob“ Luiz einen Freistoß aus beträchtlicher Distanz in den rechten Giebel hämmerte. 10 Minuten vor Spielende jedoch hieß es nochmal Elfmeter für Kolumbien, den Shootingstar James Rodriguez links unten verwandelte.

Das Spiel wurde nun noch einmal schön spannend mit einigen Ausgleichschancen für die Kolumbianer, die jedoch schlussendlich ungenutzt blieben. Neben der Absenz von Thiago muss die Selecao mit einem weiteren Schlag zurechtkommen: Neymar wurde kurz vor Schluss von Juan Zuniga vom Knie im Rücken getroffen und musste verletzt raus, wie wir heute wissen ein Wirbelbruch und das Ende des Turniers für Neymar. Heftige Sache und schade, dass Deutschland nicht gegen ein Brasilien in Bestbesetzung antritt. Sollte (!) sie Brasilien rauskegeln, ist dann nämlich die Ausrede schon hausgemacht. Abgesehen von Neymar wirkte Brasilien in diesem Turnier sehr bieder, mal schauen ob es gegen Deutschland dann auch so aussieht.

WM 2014, Tag 18 (Achtelfinale) Schweiz & die USA ausgeschieden

Argentinien 1, Schweiz 0 (n.V.)
Im ersten Satz direkt mal Glückwunsch an Ottmar Hitzfeld fürs Lebenswerk, heute sollte es nicht sein. Nach recht ausgeglichenem Beginn übernahmen die Argentinier das Ruder. Xhaka kam in dieser Phase sogar zu einer guten Chance, frei aus 12 Metern, doch der Torwart parierte (28.). Drmic lässt später eine Riesenchance mit einem schwachen Lupferversuch liegen. Argentinien hatte mehr Ballbesitz, doch die Schweiz bessere Chancen und sie hätten auch führen müssen. Argentinien drückte in der 2. Halbzeit wie ein Handballteam, es kam aber irgendwie nie was bei raus. So verteidigte die Schweiz das Unentschieden in eine weitere Verlängerung bei dieser WM. In der ersten Verlängerungshälfte zögerten beide Teams ziemlich rum, in der Zweiten dann testet Di Maria Benaglio mit einem schönen Hammer. In der 118. dann passiert es, gerade als man glaubt die argentinische Druckphase sei am abklingen – Messi bedient Di Maria, der flach mit der Innenseite einschiebt! Dann wurde es wild: Dzemaili köpft an den Pfosten und versemmelt den Nachschuss, Di Maria versucht von der Mittellinie im Anschluss vergeblich das verwaiste Schweizer Tor zu treffen. Nach einer letzten Freistoßgelegenheit von Shaqiri war die Partie und Ottmar Hitzfelds Karriere vorbei. Wie so oft im Fußball muss die unterlegene Mannschaft vergebenen Großchancen früher im Spiel hinterhertrauern – hätte anders ausgehen können!

Belgien 2, USA 1 (n.V.)
Howard muss schon in der ersten Minute mit dem Fuß gegen Origi parieren. Die USA finden aber auch ordentlich rein, nur die technischen Aspekte des Spiels beherrschen sie nicht so gut. Nach 20 Minuten erhöhten die Belgier die Taktzahl und kamen immer häufiger gefährlich vors Tor. Fabian Johnson muss nach einer halben Stunde mit einem „pulled Hamstring“ wieder raus, mir kommts so vor als sei diese Verletzung bei dieser WM besonders häufig zu sehen. Zum Ende der ersten Hälfte flachte das Spiel der Belgier merklich ab, die USA bedienten sich ihrer läuferischen Stärken, die nötige technische Stärke hinderte sie jedoch, mal einen tödlichen Pass oder einen gefährlichen Schuss aus zweiter Reihe heraufzubeschwören.

Aus der Kabine heraus macht Belgien das Spiel und entfacht eine heftige Druckphase in der Origi unter anderem in der 55. auf die Latte köpfte. Zwei klare Chancen für je Origi und Mirallas im weiteren Verlauf, jedoch scheitern beide frei vor Howard. Trotz einem Trommelwirbel an Chancen retteten sich die USA (vorallem der überragend spielende Torwart Howard) in die Verlängerung. Zwischendurch wird Welt- und Europameister Berti Vogts eingeblendet, wie er IRGENDWELCHEN Menschen beim Selfie hilft – krasse Sache 😀  Die wussten sicher nicht, wer der nette Herr im USA-Poloshirt überhaupt ist. Ähnlich wie im Deutschlandspiel klingelte es dann kurz nach Anpfiff der Verlängerung durch de Bruyne (93.). Zwölf Minuten später erhöhte Lukaku gegen die etwas aufgerückten Amerikaner auf 2:0 und das Ding war gegessen, oder? Ich hätte es nicht für sehr möglich gehalten, aber die Amerikaner kamen zwei Minuten nach der kurzen Verlängerungs-„Halbzeit“ durch Green wieder auf 1:2 ran! In der Folge gelangen den Klinsmännern einige Großchancen, am größten die durch Dempsey, der frei vor dem Torwart nicht mehr ganz an den Ball kam. Die Verlängerung hat Dramaturgisch gesehen echt alles herausgerissen, die USA haben nochmal ritterlich gekämpft, konnten den Ausgleich aber nicht mehr bringen – genug Chancen hatten sie jedenfalls. Möglicherweise stößt das recht erfolgreich verlaufene Turnier eine Positiventwicklung des Sports in den USA an, die großen Einschaltquoten scheinen dies jedenfalls anzudeuten.

WM 2014, Tag 17 (Achtelfinale) – Nigeria & Algerien ausgeschieden

Frankreich 2, Nigeria 0
Hab ich da ein Achtelfinale geschaut? Wirkte eher wie ein Freundschaftsspiel. Obwohl Nigeria 70 Minuten ein spielerisches Übergewicht hatte, hielt sich die Dramatik deutlich in Grenzen. Frankreich drehte in den letzten 20 Minuten das Tempo auf und ab diesem Zeitpunkt hagelten den Nigerianern die Chancen nur so um die Ohren. Enyeama mit ein paar Klasseparaden oder das Aluminium konnte retten – bis zur 79. Spielminute. Enyeama hat seine beste Toni Schumacher-1986-Impersonisation hingelegt und leitet den Ball per Hand in einem misslungenen Versuch, aus dem Tor zu kommen und zu klären, genau auf Pogbas Kopf gelegt. 1:0. Auch danach kam kein Dampf in die Partie, in der Nachspielzeit „erzielt“ Nigeria-Kapitän Yobo noch ein Trainingsspielhaftes Eigentor. Tja – selten so ein nichtssagendes Achtelfinale gesehen.

Deutschland 2, Algerien 1 (n.V.)
Ja, war doch einfach, oder?? Heiiiiiliger Bimbam, was war das denn für ein Spiel. Deutschland begann so mies, dass es fast peinlich war. Versprungene Bälle bei der Ballannahme, groteske Fehlpässe. Schon in der Frühphase etablierte sich ein Muster, was das gesamte Spiel bis in die Verlängerung anhalten sollte: Ausflüge aus dem Strafraum Manuel Neuers nach Kamikaze-Muster. Ehrlich, er hat jede Situation geklärt, aber mit etwas Pech gibts Rot oder ein Gegentor, entweder der Typ ist genial oder einfach nur total irre. Also ich mag’s nicht und präferiere Torhüter die im Tor stehen, aber schwer zu meckern wenn dieser Typ jeden Ball weggehauen hat. Einer, der im Champions League-Finale beim Elfmeterschießen als Dritter schießt, weil die anderen Schiss haben, und wie heute in einem Achtelfinale der WM auftritt, der muss einfach hart-männliche Eier haben. Algerien schafft es trotz zahlreicher Chancen (oft Abseits) nicht, die Führung zu erzielen, Glück für Deutschland. Die DFB-Elf fing sich langsam und arbeitete besser nach vorne, ohne aber hinten sicherer zu werden. Mario Götze vergab nach einem Abpraller in der 40. Minute die Riiiiiesenchance frei vor dem Torwart. Argh. Das kommt davon, wenn man Justin Bieber als seinen Lieblingskünstler angibt.

Die zweite Hälfte begann Deutschland etwas sicherer und bis auf den obligatorischen Panik-Moment durch algerische Angriffe, der ab und zu in diesem Spiel eben vorkam, waren die Löw-Boys am Drücker. Die Jungs auf dem Abwehrflügel, Höwedes und vorallem Mustafi, konnten nicht überzeugen. Mustafi ist mit einem Muskelfaserriss übrigens raus aus der WM. Ich habe nichts gegen den Jungen, aber dass Löw so auf ihn gesetzt hat trotz kaum internationaler Erfahrung, ist „erstaunlich“. Gegen Ende der Partie wurden die Algerier platt und Deutschland kam zu Großchance über Großchance, nur reinmachen muss man die Dinger (besonders die zweite gute Chance von Müller, als er sich freispielte und anschließend nur einen Kullerschuss am Tor vorbei brachte). Zwischendurch eine weitere missglückte super Freistoßvariante, diesmal überlaufen nicht 10 Mann den Ball sondern Thomas Müller stolpert, läuft weiter und soll hinter der Mauer angespielt werden. Der Ball prallte aber in die Mauer und so sah alles wieder mal ziemlich dumm und pubertär aus. In der Nachspielzeit gab es noch ein paar algerische Konter und man war dann irgendwie froh, in die Verlängerung zu kommen. FALLS was schiefgehen sollte, hätte man wenigstens noch etwas Zeit.

Es kam anders: Andre Schürrle stolperte den Ball per (eventuell ungewolltem) Hackentrick nach einer flachen Hereingabe ins Tor. Algerien bäumte sich nochmal auf, aber die Messe war im Prinzip gelesen. In einem „willst nicht? Ok dann mach ich halt“ schossen Schürrle und Özil abwechselnd aufs Tor, Özil traf dabei zum 2:0. Hat aber nichts zu sagen, Özil ist in meinen Augen wieder mal negativ aufgefallen, hat in der regulären Spielzeit kaum Wege mit zurück gemacht. Wie kann man so demotiviert wirken? Man pustete gerade durch, als Algerien noch der Anschlusstreffer gelang und nochmal 1-2 Minuten zittern angesagt waren. Muss das sein? 😀 Es ging aber über die Zeit. Irgendwie war Deutschland im Viertelfinale!

Das Highlight war ganz klar das Interview mit Per Mertesacker nach dem Spiel, der nicht verstand was der Reporter „wollte“ und genervt fragte, ob man nicht lieber wieder schön spielen und ausscheiden soll 😀 Einerseits hat er recht (zudem ist es schön, mal kein aalglattes Profi-Interview zu hören), andererseits war dass das Achtelfinale. Selbst die 98er haben das gepackt. Ich bin ein verfechter von gutem alten Ergebnisfußball, aber DAS war mir dann doch einen Tick zu nah am Rumpelfußball der Vergangenheit. Junge junge, gegen Frankreich wird’s nach 120 Minuten schwer. Das wird wieder ein Thriller, befürchte ich.